Stelzi Diary VI

Tag 6 – Mittwoch, der 28. Mai 2008 in Cottbus

Unser Vogelkind hat in der vergangenen Nacht keine Rotlichtbestrahlung erhalten –zum ersten Mal seit es bei uns ist, durfte es die Nacht im dunklen verbringen. Da das Kleine seit gestern Abend seine Augen vollständig öffnet, haben wir die Bestrahlung jetzt nur noch indirekt wieder aufgenommen.

Das Bachstelzenkind macht unmissverständlich klar, dass es Hunger hat. Es piepst fordernd im Staccato, während das Piepsen gestern zwar deutlich zu hören, aber schwach war. Bei der Nahrungsaufnahme zeigt es sich, wie gestern angekündigt deutlich geschickter. Das Schlucken fällt ihm leichter und es ist kaum mehr nötig, mit Wasser aus der Injektions-Spritze nachzuhelfen. Sogar den klebrigen Brei aus trockenem Quark und Eigelb bekommt es problemlos herunter. In diese Phase scheinen es Vogeleltern in der Natur besonders schwer zu haben, denn das Kleine will jetzt alle 30 Minuten gefüttert werden.

Die Ansätze von Federn, die sich gestern erstmals gezeigt haben, sind heute sicher doppelt so dick, gut drei Millimeter länger und leicht geschwungen. Der schwarze Streifen auf dem Rücken ist eine dichte Anordnung dünner Federkiele, die bereits zwei Millimeter vom Körper absteht. Die Ausbildung von Federn hat jetzt auch an den hinteren Flanken eingesetzt, wo auch eine weiße Färbung der Federn erkennbar ist. Am Bürzel sind die Kiele des späteren Schwanzgefieders sichtbar. Doch natürlich ist der Körper des kleinen Vogels auch insgesamt gewachsen: mit gerecktem Hals bringt es das Kleine jetzt auf eine Länge von reichlich fünf Zentimetern.

In puncto Agilität und physisches Vermögen ist nach meinem Dafürhalten aber eine noch spannendere Veränderung eingetreten. Während der kleine Vogel gestern keinen Versuch wagte, seine Beine zu benutzen um den Körper zu tragen, schafft er es heute – wenn auch nur kurzzeitig – seinen Körper auf den Beinen hoch zudrücken. Leider ist mir von diesem Versuch kein scharfes Photo gelungen, da sich das Kleine nicht lange genug halten kann. Die Bewegungsunschärfe zeigt deutlich, wie unsicher das Vogelkind noch ist. Wenn es nach einer Seite zu kippen droht, versucht es zwar dem entgegenzuwirken, allerdings scheint es, dass es seine neue Kraft noch nicht recht dosieren kann, da es sich beim Stabilisierungsversuch so sehr vom Boden abdrückt, dass es sich überschlägt. Mit jedem Versuch wird es dabei geschickter. Wie auf dem Photo zu sehen ist, steht es noch nicht auf der vollen Beinlänge, sondern lediglich auf den Unterschenkeln.

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2 Comments on “Stelzi Diary VI”

  1. Nils Says:

    Jaaa Hallo Roman,

    Ein schöner Vogel wird das sicherlich und ein schönes Blog ist das.
    Ich frage mich ob sich die Beinchen vielleicht trainieren lassen, wenn man das Futter nicht gleich in den Schnabel gibt, sondern es darüber hält, so dass er sich danach strecke.
    Ich habe flux die 8 besten Bilder des Vögelchens, welches zu Pfingsten bei mir daheim aus dem Nest purzelte und um unsere Terrasse herum seine ersten Flugversuche unternahm. Die sind nun hier zu finden und kommen mit den Wünschen, dass dein Piepmatz auch so viel Glück haben möge.

  2. Roman Says:

    Danke Nils, für die schönen Photos, das passt ja prima! Mit dem Training ist das so eine Sache – es ist mittlerweile stark genug, dass man so etwas testen kann! Er ist aber schon nicht mehr ganz so ungeschickt…


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