Stelzi Diary III

Tag 3 – Sonntag der 25. Mai 2008 in Wermsdorf

Die lebende Nahrung scheint dem Bachstelzenbaby gut zu bekommen. Es ist deutlich vitaler als zuvor und kugelt sich durch sein Nest. Die winzigen Flügel haben einen dunklen Schatten bekommen und der kleine Vogel schlägt sie manchmal, Anke sagt: „Er träumt vom Fliegen.“ Auf dem Rücken bildet sich ein grauer Streifen und der Flaum auf dem Kopf ist dichter geworden. Der dünne Hals des Kleinen ist muskulöser und es bereitet ihm in der ersten halben Minute der Nahrungsaufnahme keine Probleme mehr, den Kopf zu balancieren. Das linke Auge hat sich bereits einen Spalt breit geöffnet – das Rotlicht soll jetzt einen niedrigeren Einfallswinkel haben, damit die Augen geschützt sind.

Der Appetit ist gleichbleibend. Jede Stunde verschwinden sieben Maden oder bis zu vier Mehlwürmer in dem Schnabel, der jetzt länger wird. Bei näherer Betrachtung sind die winzigen Nüster zu sehen.

Da Anke ihre Arbeit und ich mein Studium in Cottbus wieder aufnehmen müssen und sich hier niemand um das Vogelkind kümmern kann, wird es mit uns nach Cottbus reisen. Für die zweieinhalb Stunden Fahrt packen wir das Nest, das perfekt in eine Plastikschale passt in eine kleine Kühltasche. Um die empfohlene Temperatur von mindestens 35°C im Nest zu halten, legen wir einen Wärmeakku darunter. Mit einem Zwischenstopp für ein paar Würmer kommt das Kleine wohlbehalten in Cottbus an, wo die Bestrahlung mit Rotlicht wieder aufgenommen wird. Die Fahrt scheint ihm nicht geschadet zu haben, da es weder besondere Müdigkeit, noch Unruhe oder Appetitlosigkeit zeigt. Bei völliger Ruhe hört man, wie es ganz leise piepst.

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