Stelzi Diary II
Tag 2 – Samstag der 24. Mai 2008 in Wermsdorf
Das Bachstelzenbaby sieht schon vitaler aus als am Vortag. Es kann zwar noch immer nicht besonders geschickt den großen Kopf – der nur aus einem gelben Schnabel und riesigen geschlossenen Augen zu bestehen scheint – auf dem dünnen Hals balancieren, doch wenn es einen Menschen hört, reißt es den Schnabel auf. Die Nahrungsverabreichung am Vortag war mühsamer.
Ob der wachsenden Esslust und der Vorbeugung einseitiger Ernährung, gibt es jetzt nicht nur noch selbst Gefangenes, sondern auch Mehlwürmer und Maden. Die Nahrungsaufnahme erfolgt weiterhin etwa stündlich. Zwischen den Mahlzeiten schläft das Kleine unter der Rotlichtlampe, die aus etwa 40 Zentimeter Entfernung wärmend strahlt. Nach jeder Nahrungsaufnahme hat es Stuhlgang – eine clevere Erfindung: der Kot wird samt Urin in einer Art Blase ausgeschieden, die man einfach mit einer Pinzette entfernen kann. Das Nest wird dabei nicht beschmutzt. Dennoch ist das Nest mit ein wenig Stoff ausgestattet, weil die Babystelze anfängt, sich häufiger zu bewegen. Möglicherweise fehlt ihr dabei der Körperkontakt zu seinen Geschwistern. Wir versuchen das damit etwas auszugleichen.
Ein Telephonat mit einem Ornithologen ergab, dass wohl auch Bachstelzen des Nachts zu schlafen pflegen und daher keine Nahrung benötigen. Der Experte kenne zwar Kollegen, die Jungvögel aufziehen, jedoch nur Greifvögel. Das Stelzenbaby bleibt also vorerst bei uns.
Leider gibt es keine Photos aus diesen ersten Tagen, doch das Aussehen des Kleinen lässt sich so beschreiben: drei bis vier Zentimeter lang, Bauchumfang: drei Zentimeter; Flaum wie Haupthaar auf dem Kopf, dagegen kaum wahrnehmbarer Flaum auf dem Rücken und Nacktheit auf dem Rest des rosa fleischfarbenen Körpers; gelber, mehr breiter als langer Schnabel und geschlossene Augen; Beine lang, dünn und fast kraftlos mit Greiffüßchen; Flügel nackt; Atmung und Herzschlag durch die dünne Haut deutlich sichtbar (AF: 118/min; HF: 160)
Tags: vogel, bachstelze, jungvogel, tierbaby, aufzucht, babyvogel, tier, Federn, Nest, verlassen
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