Jusos auf Konfrontation
Die jungen Sozialisten (Jusos) reagierten in dieser Woche prompt, als Brandenburgs Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in einem Interview mit Radio Eins verkündete, dass Brandenburg auf Dauer nicht an der Einführung von Studiengebühren vorbeikäme.
(http://www.inforadio.de/static/dyn2sta_article/987/222987_article.shtml
Folgendes war in der Pressemitteilung Jusos Brandenburg zu lesen:
„[...] Der Hinweis auf die Finanzierung der Hochschulausbildung verdeckt, worum es
bei der Einführung von Studiengebühren eigentlich geht. Sie sind nämlich
ein taugliches Instrument dazu Bildungs- und daraus resultierend
Einkommensunterschiede zwischen den Generationen zu vererben. Eines ist
nämlich inzwischen klar geworden: Auch wenn es für Angehörige der unteren
Bildungs- und Einkommensschichten immer noch schwerer ist diese
Unterschiede intergenerativ zu überwinden, kommt es inzwischen immer häufiger dazu, dass allein Einkommens- und Bildungsstärkere Eltern kein ausreichender Garant
mehr dafür sind, dass Kinder ohne eigenes zutun den Klassenerhalt
bewerkstelligen.“
Darauf habe ich dem Juso-Vorsitzenden Sören Kosanke folgendes geschrieben:
Liebe Jusos,
dass Studiengebühren gegen den Grundsatz der kostenlosen, allgemeinen und gerechten Verteilung von Bildung stehen ist über jeden Zweifel erhaben. Es ist aber reichlich paranoid, die Intention einer Einführung von Studiengebühren in dem Erhalt der Klassengesellschaften oder intergenerativer Einkommensunterschiede zu sehen. Oder wie begründet Ihr diese Behauptung?
Langfristig bietet ein Ausschluss finanziell benachteiligter Auszubildender besonders an den Universitäten erhebliche Nachteile. Jedenfalls dort, wo die Universitäten noch nicht zu Bildungsabholzentralen verkommen sind, brauchen wir junge Menschen aus allen kulturellen, sozialen und politischen Kreisen. Es ist diese Spannung, die uns auf lange Sicht kulturelle Entwicklung ermöglicht.
Bildungsstärkeren, denen an dieser Gebühren-Politik gelegen sein könnte, wie ihr behauptet, traue ich diese Einsicht zu. Auch ihnen kann nicht an einer breiten finanz- und bildungschwachen Unterschichte gelegen sein, die eine hohe Arbeitslosenquote mitbringt.
Dass Ihr so prompt auf Wankas Äußerungen reagiert habt, halte ich aber für sehr wichtig – Danke dafür.
R.K.
Ein Feedback habe ich bis heute, Tage nach der Veröffentlichung noch nicht erhalten. Schweigen aus dem Hauptbüro der jungen Brandenburger Sozialisten.
Unterstellungen helfen sicher nicht, einen konstruktiven Dialog über die Einführung von Studiengebühren zu führen. Wer das Interview mit Wanka gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass Wanka davon spricht, der Brandenburgische Bildungshaushalt könne gegenwärtig ausreichend Mittel bereitstellen und von Studiengebühren bis 2008/2009 absehen.
Kritikwürdig ist jedoch Wankas Aussage: „Wenn die Länder mit Studiengebühren ihre Gebühren nehmen, um die Qualität des Studiums zu verbessern, dann muss man aufpassen, so dass das [gemeint ist der rekordverdächtige Zustrom Studierender an Brandenburger Unis] eine Momentaufnahme ist.“
Die Betonung liegt auf „Wenn“. Vielerorts beklagen Studierende, dass die Verwendung der Gebühren nicht immer bildungsrelevant und effizient erfolge. Mein Bruder studiert Medizin an der Universität Heidelberg – seit diesem Jahr Eliteuniversität – für die ein Aspirant 600 Euro pro Semester aufwenden muss. Dort sind im aktuellen Semester Gebühren „übrig“ und werden wahlweise an kleine Projekte vergeben. Ob diese dann auch im Interesse eines Großteils der Zahler liegen, bleibt fraglich.
Es gab Diskussionen über einen Demokratischen Entscheid der Zahler über die Verwendung der Gebühren. Studierende könnten am besten einschätzen, wo es fehlt, richtig. Aber das heißt nicht, dass alle von ihnen ökonomisch sinnvolle und wissenschaftsrelevante Entscheidungen treffen können.
Der Hochschulstandort Deutschland braucht Geld, an einigen Universitäten fehlt das Nötigste. Studiengebühren sind aber nicht geeignet, den Landeshaushalt aufzubessern in dem der Wissenschaftsetat gekürzt wird. Was mit den Gebühren erledigt werden soll, welche Höhe angemessen ist, und was wir davon erwarten sollten – das muss noch vor der Einführung abgegrenzt werden. Wenn die Verantwortlichen noch keine Ideen haben, was sie beachten sollten, dann müssen sie nur den Blick in die gepriesenen Standorte in Bayern und Baden-Württemberg nicht scheuen.