Christian Beuter
Ein Zentrum für Pilger errichten, die Kirche erhalten, die Gemeinschaft beleben – selbstbetriebenes Engagement ist in vielen kleinen Orten Grundlage kultureller Weiter-Entwicklung. Lampertswalde ist sein eigener Motor. Das Waldhufendorf in Mittelsachsen hat knapp über 1200 Einwohner und besteht im Wesentlichen aus zwei parallelen Straßen mit einer Länge von etwa vier Kilometern. Der Landschaftsbau und das Rittergut unter Familie Turowski, der Highländerhof von Familie Hessler oder der junge Musiker Benjamin Zschau, der Konzertreihen für dier Erhaltung der Lampertswalder Dorfkirche veranstaltet – das ist die Elite. Der bayerische Schauspieler Christian Beuter hat sich am dritten Advnt 2007 mit einer Lesung in seiner neuen Wahlheimat Lampertswalde für eine Lesung im Kreuzgewölbekellers des alten Ritterguts die Ehre gegeben und sich bei den Akiven eingereiht.
[Lampertswalde] Im Kreuzgewölbekeller des alten Ritterguts zu Lampertswalde flackern die Kerzen sanft an den Wänden. Die niedrige gewölbte Decke nimmt das wohlig warme Licht auf – gedämpfte, mittelalterliche Streichermusik im Hintergrund. Eine urige Kulisse für die „Erste Lampertswalder Buchlesung für Erwachsene“, wie sie Veranstalter Hans-Jürgen Turowski nennt. Der Film- und Serienschauspieler Christian Beuter las am Sonntagnachmittag für nur 40 Besucher die bekannte Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, in der der reiche und habgierige Kontorbesitzer Ebenezer Scrooge von vier Geistern heimgesucht wird. Beuter ist seit 2002 Wahl-Lampertswalder und am Tag der Lesung 31 Jahre alt geworden.
Die Gespräche verstummen, als Christian Beuter in seinem mittelalterlichen Kostüm im Rundbogen am Ende des Kellersaals erscheint und verkündet, dass er für die Versammelten der Vorleser sein wird. Was darauf folgt ist keine einfache Lesung, stattdessen ein dynamischer Vortrag mit der Stimmgewalt eines narzisstisch-cholerischen Ebenezer Scrooge bis zum herzerwärmenden Klang der Kinderstimme von Tiny Tim, der für den schlussendlich rehabilitierten Scrooge den großen Truthahn besorgen soll. Dabei gibt das Gewölbe die sonore Stimme des Schauspielers wunderbar wieder. Beuter liest nuanciert und erweckt die Charaktere zum Leben, einige Besucher haben die Augen geschlossen und ein Lächeln auf dem Gesicht. Die Geschichte ist spannend und ergreifend, die Pause nach 45 Minuten kommt plötzlich.
„Die alte Tradition des Vorlesens ist leider kaum noch populär“, bedauert Hans-Jürgen Turowski, „wenn alles klappt werden wir aber bald weitere Lesungen machen. Die Resonanz ist sehr positiv.“ Mit seiner Frau Monika Turowski verteilt er Kaffee und Kuchen an die Besucher. „Christian liest das wirklich toll“, meint auch Jan Eulenberger. Der 19-Jährige ist entfernt verwandt mit Beuter, „Aber hier sind ja sowieso alle verwandt.“ Zur Lesung eingeladen hat ihn allerdings seine Freundin Jenny Krauspe aus Börln. „Meine Mutter hat uns auf die Idee gebracht. Ich muss sagen: es war eine gute Idee hier her zu kommen, die Location ist spitze“, so die 16-jährige Schülerin.
Damit eine Lesung Spannung und Qualitäten eines Hörspiels erzeugt, muss man sich vorbereiten: „Für diesen Text habe ich etwa 12 Stunden gelesen, Zitate markiert und Notizen gemacht“, erzählt Beuter. Für seinen Auftritt verlangt der aus Bayern stammende Schauspieler nur eine kleine Aufwandsentschädigung, je nach Erfolg der Veranstaltung. Erlöse sollen dem Verein „Schätze und Plätze“ zugute kommen.
Dass sich der 31-Jährige heute in Lampertswalde engagieren kann, ist seiner Frau zu verdanken: „Wir haben 2002 geheiratet und ich wollte hier mit ihr zusammen leben. Die Familie geht für mich vor.“ Und Christian Beuter ist nicht nur familiär in einer guten Lage. Auf häufige und aufwändige Casting-Besuche ist er Dank seines flexiblen Jobs als Sicherheitstechniker bei einem großen deutschen Automobilhersteller nicht angewiesen. Dennoch wird sein Engagement im Schauspiel-Bereich in letzter Zeit immer gefragter.
Die grüne Uniform trägt der einstige Polizeibeamte heute nur noch im Film: „Ich spiele oft Polizisten, Türsteher und Bodyguards.“ Weil Beuter topfit ist, er trainiert regelmäßig und beherrscht verschiedene Kampfsporttechniken. Ab 1992 hat er eine Schauspielsschule besucht, am Theater gelernt und schließlich die grüne Uniform an den Nagel gehangen. „Ich glaube es ist gar nicht so wichtig, dass man eine jahrelange Schauspielausbildung macht.Du musst nur lernen eine Kind zu sein, das ist das wichtigste. Erwachsene trauen sich einfach zu wenig aus sich heraus.“
Beuter arbeitet zur Zeit für eine Leipziger Agentur, die ihn mit Anstellungen versorgt. Zuletzt stand er bei bekannten Serien wie „Tatort“ und „In aller Freundschaft“ vor der Kamera. „Das aber waren nur Nebenrollen“, sagt er bescheiden. Doch in den letzten Monaten ließ er sich für eine Hauptrolle im Film „Chaostage“ verpflichten. Die Neuerscheinung ist eine Verfilmung des gleichnamigen Szeneromans von Moses Arndt unter dem Nachwuchs-Regisseur Tarek Ehlail. „Mit meiner Rolle hatte ich anfangs einige Schwierigkeiten, ich musste den Anführer einer Nazigang spielen. Das war kein gutes Gefühl.“ Dass er es trotzdem fertig gebracht hat, sei der Entwicklung des „brutalen Eddie“ im Film zu verdanken. „Mehr will ich vom Film noch nicht verraten. Wir haben jetzt alles im Kasten.“ Wann Beuter dann in dieser Produktion unter anderen mit Martin Semmelrogge auf der Leinwand zu sehen sein wird, steht noch nicht fest.